Wahlprogramm 2020

Grünes Licht für Veränderung!

Eine  Universität, welche mit dem Motto „Zukunft seit 1368” wirbt, muss auch ihren Teil zu einer nachhaltigen und damit zukunftsfähigen Welt beitragen. Sowohl als Arbeitgeberin als auch als Bildungsinstitution und Akteurin in Gesellschaft und Stadt sollte sie sich zum Handeln  verpflichtet fühlen. 

Wir als Grüne Hochschulgruppe setzen uns sowohl im StudierendenRat als auch im Senat der Universität Heidelberg für Nachhaltigkeit ein. Bereits letztes Jahr konnten wir eine Positionierung der Verfassten Studierendenschaft zu Nachhaltigkeitsrichtlinien erwirken. In der Hoffnung, etwas Konkretes auch auf höherer Ebene bewirken zu können, arbeiten wir ebenfalls an einem Antrag für Senat, der die  Universität zum nachhaltigen Handeln auffordert. Die Einrichtung eines Green Office, wie es beispielsweise an der Universität Mannheim existiert, wäre ein vielversprechender erster Schritt.



Die  einzige Möglichkeit, eine zukunftsfähige Universität im 21. Jahrhundert  zu leiten, ist nachhaltig auf allen Ebenen zu handeln und die gezielte Digitalisierung zur Ressourcenschonung in allen Universitätsstrukturen voranzutreiben. Durch die Covid-19-Pandemie haben wir bereits erfahren, wie schnell es möglich ist digitale Strukturen aufzubauen und erhoffen uns, dass diese auch nach der Pandemie und bei normalem Betrieb genutzt und ausgebaut werden.

Weniger Ist Mehr

Riesige Plastikmüllstrudel sammeln sich in den Weltmeeren, die Erde droht im Müll zu ersticken. Auch die Universität produziert täglich Unmengen an unnötigem Abfall. Dabei ließe sich das bereits mit einfachen Maßnahmen verhindern: Mehrwegbecher, gezielte Digitalisierung im Bereich der Lehre und Verwaltung, aktive Mülltrennung und Recycling, etc. 

Wir  fordern, dass universitäre und hochschulnahe Einrichtungen den Einsatz von Einwegmaterialien, wie z.B. Styroporschalen zur Essensmitnahme in den Mensen und in Plastik verpackte Snacks in den Cafés, unverzüglich stoppen und stattdessen auf nachhaltigere Methoden umsteigen. Es gibt bereits gute Alternativen! Nur ein Beispiel sind die – auf unsere  Initiative hin – vom Studierendenwerk eingeführten Mehrwegbecher. Einen Rabatt bei Verzicht auf einen Einwegbecher sucht man aber leider noch vergebens.

Auch anfallender Papiermüll im Lehrbetrieb kann deutlich reduziert werden, wie das aktuelle Digitalsemester beweist. Jetzt muss dafür gesorgt werden, dass das aktuelle digitale Angebot nach Aufhebung der Beschränkungen nicht wieder verloren geht.

Neben der Vermeidung von Müll ist es natürlich essentiell den unvermeidlichen Rest korrekt zu trennen. Die Universität muss anfangen, (auch) Biomüll zu sammeln und diesen auf angelegten Kompostierflächen zu entsorgen. Der Kompost kann dann beispielsweise an den von Studierenden bewirtschafteten URRmEL Garten gegeben werden. So ließe sich der Kreislauf schließen. Wir treten also dafür ein, dass im Uni-Alltag sowohl deutlich weniger Müll produziert wird, als auch dass dieser dann weitestgehend recycelt und kompostiert wird. 

Freie Fahrt für Fahrrad und ÖPNV

Heidelberg steht vor einem schwerwiegenden Mobilitätsproblem. Die Planungen der  vergangenen Jahrzehnte („autogerechte Stadt“), das Ausbleiben von Gegenmaßnahmen (Förderung eines leistungsstarken ÖPNV) sowie die Schaffung falscher Anreize (immer mehr Parkhäuser auf dem Campus Im Neuenheimer Feld) in der Verkehrspolitik führen an einzelnen Orten in Heidelberg beinahe täglich zum Verkehrskollaps.

Die  Grüne Hochschulgruppe setzt sich dafür ein, dass die Verfasste Studierendenschaft und die Universität im Rahmen ihrer Möglichkeiten (Bürgerbeteiligungen, Masterplan, AG Rad) Einfluss auf die zukünftige  Stadtentwicklung nehmen und für ein modernes Mobilitätsnetz kämpfen. Konkrete Maßnahmen hierzu sind eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und ein breiter Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Hier sollte die Universität innovative Lösungen fördern.

Zuverlässigstes und schnellstes Verkehrsmittel ist in Heidelberg das Fahrrad – dennoch bleiben Studierende im Verkehr stecken und verpassen ihre universitären  Veranstaltungen, insbesondere wenn sie zwischen den Campus wechseln  müssen.  Als Fahrradfahrer*in bekommt man in  Heidelberg schnell das Gefühl, ungeliebte*r Verkehrsteilnehmer*in zu sein: Zu schmale Radwege, umständliche Wegführungen und etliche Gefahrenstellen, unverständliche Beschilderungen und das ständige Zuparken durch Autofahrer*innen machen das Radfahren zur gefährlichen Herausforderung. 

Wir fordern einen Ausbau der Radinfrastruktur nach dem Vorbild Kopenhagens und Amsterdams mit breiten Radwegen sowie Radschnellwegen als Expressverbindung und günstigen Ampelschaltungen. Auch ausreichende und sichere Stellplätze für Fahrräder an den verschiedenen Universitätsstandorten werden dringend benötigt!

Gleiche Bildungschancen für alle!

Es ist erst 8 Jahre her, dass die grün-rote Landesregierung die Studiengebühren aufgehoben hat. Doch zum Wintersemester 2017/18 schenkte uns Wissenschaftsministerin Theresia Bauer neue Studiengebühren: Nicht-EU-Ausländer*innen sollen nun 1500 Euro und Studierende im Zweitstudium 650 Euro pro Semester zahlen.

Die Grüne Hochschulgruppe stellt sich geschlossen gegen jegliche Formen von Studiengebühren! 

Wir fordern, dass die Hochschulfinanzierung langfristig durch ausreichende Haushaltsmittel sichergestellt und nicht auf Studierende ausgelagert wird. Denn diese Gebühren verhindern nicht nur die Mobilität der Studierenden innerhalb der European Education Area – einer der  hochangesetzten Ideen des Bologna-Prozesses –, sondern haben nicht einmal das gesetzte Profitziel erreicht, welches sich das Minsterium für Wissenschaft und Kunst (MWK) erhofft hatte. Von den erhobenen Gebühren von Nicht-EU-Ausländer*innen erreichen nicht mal 20% die Universitäten – sie werden fast vollständig für die Verwaltung dieser Gebühren ausgeschöpft. Der Rest sowie die gesamten Gebühren von den Studierenden im Zweitstudium verbleiben im Landeshaushalt Baden-Württembergs. Gerade die Universität Heidelberg lebt von ihren internationalen Kontakten und Austauschprogrammen. Diese sollen nicht durch solche Maßnahmen infrage gestellt werden.

Die Wiedereinführung von Studiengebühren dieser Form öffnet zudem die Tür für die Wiedereinführung von allgemeinen Studiengebühren. Eine Tür, die verschlossen bleiben muss! 

Lehre statt Leere

Jede Krise bietet Chancen, so auch die Covid-19-Krise. Durch die Umstellung auf digitale Lehre wurden große Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht. So  wurde zum Beispiel offensichtlich, dass es zwar einige Mühe kostet,  Vorlesungen aufzunehmen, es aber definitiv gut möglich ist.

Deshalb treten wir auch weiter dafür ein, dass zumindest Audioaufzeichnungen, besser noch Videomitschnitte, von  allen Vorlesungen zusätzlich zu Präsentationen und  Skripten, auf Moodle  hochgeladen werden. So lassen sich verpasste Vorlesungen nachholen und  die Wiederholung und Aufbereitung des  Lernstoffes vor den Klausuren  fällt leichter.

Die Exzellenzinitiativen der letzten Jahre haben viel Geld in die universitären Kassen gespült. Jedoch lag und liegt noch immer der Fokus überwiegend auf der Forschung. Obwohl ein kleiner Teil des Geldes direkt und indirekt zur Verbesserung der Lehre beitragen soll, liegt noch vieles im Argen.


Es wird Zeit, dass die Universität neue Wege geht und Vorreiterin in Sachen innovativer Lehrprojekte wird. Auch studentische Lehrprojekte, wie sie an anderen Universitäten und Hochschulen bereits üblich sind, müssen ein Teil dieser Strategie sein. Insbesondere Projekte, bei denen Studierende selbst ihren Lehrplan bestimmen wie beispielsweise im Rahmen der Public Climate School, begrüßen und unterstützen wir.Generell orientieren wir uns an dem AK-LeLe und dem AK Lehramt, was die Fortentwicklung der Lehre und des Lehramts angeht.

Freiheit und Vielfalt für alle!

An der Universität sollte niemand aufgrund von Geschlecht, Alter,  Religion, sozialem Status, körperlichen Beeinträchtigungen, Hautfarbe oder anderem diskriminiert werden. Wir unterstützen deshalb Frauen*förderungsmaßnahmen, wie das Nachrekrutierungsverfahren bei der Besetzung von Professuren und generell die Förderung von Frauen* in der Forschung. Auch weitere Antidiskriminierungsmaßnahmen an der Universität  halten wir für notwendig. Bspw.  sollte es für trans* Studierende auch schon mit dem  DGTI-Ergänzungsausweis möglich sein, die universitären Formulare richtig  auszufüllen. 

Zudem sollte es selbstverständlich sein, dass jede*r Studierende in der Universität auf die Toilette gehen kann. Studierende mit nicht-binären Geschlechtern haben momentan in vielen Gebäunden der Universität nicht die Möglichkeit, das zu tun. Die Umwandlung einer Männertoilette in eine für alle Geschlechter zugängliche dauert keine zehn Minuten. Wir  unterstützen deshalb die Einführung von weiteren geschlechterneutralen Toiletten. Auch die Barrierefreiheit sollte gewährleistet sein – sowohl für die Toiletten, als auch für Vorlesungen sollten Studierende mit körperlichen Einschränkungen weiterhin darin unterstützt werden, ihr Studium möglichst problemlos abzuschließen. Obzwar die Universität daran  arbeitet, die Gebäude für Gehbeeinträchtigte barrierefrei zu machen, ist noch nichts für Hör- und Sehbeeinträchtrigte in Arbeit.

Keine Existenznot durch Studium!

Die Covid-19-Pandemie bedeutete für viele Studierende nicht nur eine unerwartete Umstellung in Bezug auf ihre Studien, sondern auch der Verlust ihres Jobs. Dies hat viele Studierende in Notlagen versetzt und wir blickten zu unseren Bundes- und Landesregierungen. Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, versprach daraufhin schnelle und unbürokratische Hilfe für Studierende. Nun stehen seit Mai „zinslose” Kredite der KfW zur Verfügung. Für Härtefälle gibt es einen Nothilfefonds von über 100 Millionen Euro. Hiervon können Studierende mit maximal 500 Euro bezuschusst werden.

Gänzlich unzureichend für alle, die wirklich Hilfe benötigen! Während ihres Studiums drohen nun entweder Verschuldung oder Exmatrikulation. Keine wünschenswerte Situation, vor allem im Vergleich zu den Hilfspaketen, welche für Mittelständler, Freiberufler und private Konzerne lockergemacht wurden. Der Notfonds ist viel zu klein, um alle in Not geratenen Studierenden zu unterstützen.

Der StuRa ist bereits tätig geworden und unterstützt seine Studierenden nun verstärkt selbst. So wurde das Budget für das Notlagenstipendium mit unserer Unterstützung erst kürzlich erhöht. 

Wir fordern die Landesregierung, und speziell unsere Wissenschaftsministerin, sowie die Universität Heidelberg dazu auf, wie auch viele andere Bundesländer und Hochschulen, die Studierenden mit Hilfsfonds zu unterstützen. Es darf nicht sein, dass weniger priviligierte Studierende nun in die Existenznot gedrängt werden und sich Verschulden müssen.

Hochwertiges und ökologisches Mensaessen

Als Grüne Hochschulgruppe liegt uns dieses Thema besonders am Herzen. Wir haben bereits letztes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerksreferat eine Mensa-Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie die Studierenden zum bisherigen Angebot stehen und was sie für Wünsche haben. Nach der Auswertung sind wir zum Ergebnis gekommen, dass die Mensen unserer Universität verbesserungsbedürftig sind. Es gibt zwar bereits Projekte wie die „vegan taste week“, jedoch sollte der Fokus darauf liegen, dauerhaft gute, abwechslungsreiche auch vegetarische und vegane Gerichte in allen Mensen anzubieten.

Zwar ist es durchaus möglich, sich am Buffet eine vegane Mahlzeit zusammenzustellen, doch dies ermutigt nicht gerade zu einer regelmäßigen veganen Ernährung. Besonders der finanzielle Aspekt schränkt die Attraktivität des teureren Buffet-Essens ein. Daher fordern wir mehr und abwechslungsreichere vegane Angebote im Tagesmenü!

Natürlich gehört zu einem ausgewogenen Angebot auch Fleisch und Fisch aus artgerechter Tierhaltung aus der Region. Von einem solch ausgewogenen Essensangebot profitieren Umwelt, nachhaltig wirtschaftende Landwirte und auch unsere Gesundheit.Folglich sollten regionale, saisonale und ökologisch produzierte Lebensmittel das Essensangbot der Mensen bestimmen. Ein einzelnes saisonales Produkt darf aber nicht dafür sorgen, dass das restliche Gemüse- und Beilagenangebot zusammenschrumpft (wie es beispielsweise jede Spargelsaison geschieht). Mehr Mut beim Ausprobieren!Wir treten für eine gesteigerte Transparenz des Studierendenwerkes bei den Herkunftsangaben des Essens ein. Nur wer weiß, wo das Essen herkommt, kann eine fundierte Entscheidung treffen.

Wir fordern zudem, das tägliche Fleischangebot ingesamt zu reduzieren, um sowohl die Qualität des Angebots zu erhöhen als auch Kapazitäten zum Ausbau des Beilagen- und Gemüseangebotes zu schaffen und das Bewusstsein für nachhaltige Ernährung zu erweitern.

Datenschutz statt Datenschmutz!

Wir von der Grünen Hochschulgruppe nehmen den Schutz eurer Daten ernst! Daher treten wir für die vom Grundgesetz garantierte Studierfreiheit ein und kämpfen gegen Anwesenheitspflichten, die vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurden. 

Das  Studium lebt davon, dass jede*r Studierende einen individuellen Weg zum optimalen Lernen findet. Anwesenheitspflichten gewährleisten keine besseren Ergebnisse. Sofern Dozierende über zu geringe Beteiligungen klagen, hat dies häufig tiefere Gründe als bloßes Desinteresse: Attraktivität der Vorlesung, Größe des Hörsaals, Bedeutung der  Vorlesung, parallel anstehende Klausuren.

Mit dem neuen digitalen Semester wurden auch neue Formate ausprobiert, z.B. das neue Moodle. Leider scheint hier der Datenschutz keine goße Rolle gespielt zu haben, denn unter der Teilnehmer-Funktion können sämtliche Studierenden samt aller Vor-und Nachnahmen eingesehen werden. Das wollen wir ändern.