Programm 2011

..für die Wahlen zum Senat und AStA am 5.7.

Studienbedingungen

Die Universität feiert sich dieses Jahr selbst für ihr 625-jähriges Bestehen. Das ist zwar eine lange Zeit, doch was lange währt wird nicht automatisch gut. Über Exzellenzinitiativen und Forschungscluster wurde auch in Heidelberg die Lehre immer mehr vergessen. So werden neue Räume fast nur für die Cluster geschaffen und in der Altstadt müssen sich die Institute um die wenigen Räume streiten – so z.B. im Zentrum für Altertumswissenschaften. Trotz aller Freude über langes Bestehen und gute Forschung darf die Lehre nicht vergessen werden!

1. „Exzellente Lehre für alle“ statt „Exzellenzcluster für wenige“!
Zu einer Exzellenzuniversität gehören nicht nur Cluster und „exzellente“ Forschung, sondern auch eine Lehre, die dem Namen gerecht wird. Forschungscluster und Spitzenförderung nützen nur wenigen Studierenden, während eine gute Lehre in der Breite oft fehlt. Dazu braucht es mehr gut geschultes Personal, eine bessere Betreuung der Studierenden und DoktorandInnen und vor allem Räume, die nicht aus allen Nähten platzen.

2. Für mehr studentische Beteiligung bei anstehenden Reformen
Wir fordern, dass der Bologna-Prozess endlich so umgesetzt wird, wie er geplant war. Die heute oft unstudierbaren Studiengänge müssen so überarbeitet werden, dass sie uns nicht mehr Freiheit nehmen, sondern geben. Symptomatisch werden Fehlentwicklungen wie zum Beispiel nicht besetzte Masterstudiengänge in der Romanistik, weil aufgrund der Modulflut niemand das Bachelorstudium innerhalb der Regelstudienzeit abschließen konnte. Um bei der Überarbeitung keine Fehler zu wiederholen, fordern wir eine entsprechende Beteiligung der Statusgruppe, die am meistens davon betroffen ist. Ja, richtig, das sind WIR, die STUDIERENDEN!

3. Studiengebühren abschaffen und vollständig kompensieren!
Studiengebühren lehnen wir als sozial unverträglich ab. Die Abschaffung der Studiengebühren zum Sommersemester 2012 befürworten wir und verlangen die Einhaltung dieser Frist. Auf jeden Fall muss das Versprechen, die Finanzierungslücke vollumfänglich durch Mittel aus dem Landeshaushalt auszugleichen, gehalten werden. Wir begrüßen, dass wir Studierenden bei der Verteilung der Kompensationsmittel gleichberechtigt beteiligt sein sollen. Wir müssen allerdings darauf achten, dass dieses nicht, wie bei den Studiengebühren, vom Fakultätsvorstand oder Rektor umgangen werden kann. Wir werden uns für eine sachgemäße und an den studentischen Belangen orientierte Vergabe der Mittel einsetzen. Perspektivisch streben wir studentische Mitbestimmung bei der Verteilung aller Mittel an.

Wir sehen in allen Bereichen Handlungsbedarf und werden auch in Zukunft sowohl durch Aktionen auf diese Probleme aufmerksam machen, als auch das wenige Mitspracherecht, das uns gestattet wird, in den Gremien nutzen und die Interessen der Studierenden vertreten.

Demokratie

Seit 1977 ist die Demokratie an den Hochschulen Baden-Württembergs verboten. Denn der als Ersatz für die abgeschaffte Verfasste Studierendenschaft errichtete “AStA” darf sich lediglich zu Musik, Sport und Sozialem äußern. Hinzu kommt, dass der AStA keineswegs unabhängig ist, weil ihm der Rektor qua Amt vorsitzt. Während ProfessorInnen mit ihren Mehrheiten in allen Gremien bestimmen können, dürfen wir Studierende uns nicht einmal offiziell als Studierende äußern!

1. Die Verfasste Studierendenschaft wieder einführen!
Um diese mittelalterliche Situation zu ändern, fordert die GHG schon seit langem, Verfasste Studierendenschaften wieder einzuführen. Diese sind unter anderem dazu notwendig, um von studentischer Seite das Semesterticket auszuhandeln, besser Aktionen vorzubereiten und besseren Service für Studierende anzubieten. Nach dem Machtwechsel in Baden-Württemberg ist dieses Ziel erstmals in greifbare Nähe gerückt. Nun gilt es, darauf zu achten, dass die Verfasste Studierendenschaft (VS) wirklich eingeführt wird. Und: Wir werden uns nicht mit halben Sachen zufrieden geben! So müssen wir Studierenden unsere eigenen Finanzmittel erhalten und auch erheben können. Außerdem muss die Studierendenschaft Unabhängigkeit in der Frage behalten, wie sie sich organisiert. Es darf kein von oben diktiertes VS-Modell geben. Jede Hochschule mit ihren Studierenden ist anders! Deshalb müssen wir selbst über unser Modell bestimmen! Die Grüne Hochschulgruppe hat bereits mit anderen Hochschulgruppen ein Konzept für eine Heidelberger Studierendenvertretung ausgearbeitet. Wir vertreten das Modell eines Studierendenrates (StuRa) und werden dessen Ausgestaltung weiterhin vorantreiben.

2. Aufsichtsräte abschaffen und unternehmerische Hochschulen verhindern!
Managementstrukturen nach dem Top-Down-Prinzip wie auch das Konzept einer unternehmerischen Hochschule lehnen wir entschieden ab! Die Aufsichtsräte für die Hochschulen stehen stellvertretend für dieses Konzept. Eine Hochschule kann nicht als Unternehmen geführt werden, wenn sie ihren Aufgaben für die Gesellschaft gerecht werden soll. Deshalb müssen die wirtschaftsdominierten universitären Aufsichtsräte in beratende Gremien gesellschaftlicher Gruppen umgewandelt werden, um so die Unabhängigkeit der Universitäten wieder herzustellen.

3. Für echte Mitbestimmung in allen universitären Gremien
Nach wie vor besitzen die ProfessorInnen in allen Gremien die absolute Mehrheit. Dies bedeutet, dass sie entweder über alle Belange der Universität ohne Mitbestimmung der anderen Mitglieder entscheiden können, oder aber viele Gremien zu Abnickvereinen der Fakultätsvorstände oder des Rektorats verkümmert sind. Echte Demokratie sieht ganz anders aus! Wir fordern daher eine Neuzusammensetzung der Gremien, damit alle Mitglieder der Universität gleichberechtigt an deren Gestaltung teilhaben können. Die GHG fordert in diesem Zusammenhang insbesondere die bessere Berücksichtigung studentischer Interessen.

Ökologie

Die Universität Heidelberg, als in die Gesamtgesellschaft eingebetteter Akteur, steht in eifner Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt, der sie sich nicht entziehen kann.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich unsere Uni mit dem Motto “Zukunft. Seit 1386″ schmückt, sollten die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen zentralen Stellenwert einnehmen!
Um die Universität grüner zu gestalten, setzen wir uns ein für:

1. Recyclingpapier für alle Drucker und Kopierer
Der Papierverbrauch in Forschung, Lehre und Verwaltung ist enorm. Derzeit wird hauptsächlich hochweißes Papier ohne richtiges Umweltsiegel verwendet. Das bedeutet, dass die Universität durch ihren Papierverbrauch direkt zur Abholzung von Urwäldern in Russland, Kanada und Brasilien beiträgt, denn aus diesen Ländern stammt ein Großteil des in Deutschland verwendeten Zellstoffs. Das können wir nicht mittragen. Wir setzen uns daher für 1. mehr beidseitiges Drucken zur Senkung des Verbrauchs und 2. flächendeckende Verwendung von Recyclingpapier ein. Das URZ hat auf unsere Initiative hin bereits am 01.04.2011 seinen wichtigsten Drucker auf “beidseitig” als Standardeinstellung umgestellt. Zudem wird in einer Pilotphase vom 01.06. – 01.09.2011 an ausgewählten Instituten (u.a. Campus Bergheim und INF 326) Recyclingpapier ausprobiert. Für beide Projekte mussten wir sehr viel Überzeugungsarbeit leisten – aber wir haben es geschafft!

2. Mehr bio und FairTrade in der Mensa!
In Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk erreichte die GHG Anfang des Wintersemesters 2009/10 die Einführung eines Bio-Menüs im Eat&Meat der Triplexmensa. Wir setzen uns für eine Erweiterung des Angebots aus biologischen, saisonalen und regionalen Produkten ein und bleiben dafür in direktem Kontakt mit dem Studentenwerk. Dabei ist es uns wichtig, die Studierenden über die Herkunft ihres Essens aufzuklären.

3. Ökostrom und eine Reduzierung des Energieverbrauchs!
Universität und Studentenwerk verbrauchen Unmengen an Energie. Durch die Einführung eines Umweltmanagementsystems wie z.B. EMAS sowie durch ökologische Auflagen bei Neu- und Umbaumaßnahmen sparen wir langfristig nicht nur Geld, sondern schützen auch die Umwelt! Im Gespräch mit den Verantwortlichen von Uni und Studentenwerk mussten wir zu unserem Bedauern erfahren, dass beide Einrichtungen – im Gegensatz zu einigen anderen Unis in Deutschland – von einer Umstellung ihres Strombezuges auf 100% Ökostrom noch weit entfernt sind! Zusätzlich zu dieser Umstellung setzen wir uns aber auch für den nachhaltigen und sparsamen Umgang mit Energie und Ressourcen ein: Nur so kann man wirklich etwas für das Klima tun.

Gleichstellung

Trotz der zahlreichen studentischen Bemühungen im Bereich der Gleichstellung, gibt es nach wie vor schwerwiegende Probleme, die es an einer exzellenten Universität wie der Ruperto Carola nicht geben darf.

1. Frauen und Männer zu allen Studiengängen einladen!
Die Grüne Hochschulgruppe ist davon überzeugt, dass Frauen und Männer für alle Studiengänge in gleichem Umfang geeignet sind. Eine moderne Gesellschaft kann sich klassische “Männer-” oder “Frauenberufe” nicht mehr leisten, sondern braucht die Kreativität und Beteiligung von allen. Deshalb müssen wir alle Menschen dazu einladen, unabhängig vom Geschlecht ein Studium gemäß ihrer Fähigkeiten und Interessen zu wählen.

2. Frauen gleiche Chancen bei Promotionen, Habilitationen und Professuren gewähren!
An der Universität Heidelberg sind mehr Frauen als Männer immatrikuliert: 2009 waren 57,5% aller Studierenden weiblich. Auffällig ist jedoch, dass der Anteil der Frauen von den Studierenden über die DoktorandInnen und HabilitandInnen zu den ProfessorInnen immer weiter abnimmt: Nur 15% aller Professuren sind von Frauen besetzt. Dies ist ein Armutszeugnis für eine Universität im 21. Jahrhundert! Die Grüne Hochschulgruppe ist davon überzeugt, dass Frauen mindestens ebenso gute Professorinnen sein können wie ihre männlichen Kollegen. Deshalb fordern wir, dass Frauen gezielt dazu ermutigt werden, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Dies setzt aber auch voraus, dass männliche Professoren Frauen als fähige Kolleginnen akzeptieren und flexible Angebote geschaffen werden, damit Frauen nicht vor die Wahl zwischen Professur oder Familie gestellt werden.

3. Gleichstellung betrifft auch die Barrierefreiheit!
Der Begriff der Gleichstellung betrifft aber nicht nur Mann und Frau! Auch Menschen mit Behinderung werden oftmals im Hochschulwesen eingeschränkt. Dies beginnt damit, dass viele Menschen mit Behinderung schon duch bauliche Barrieren – wie am Germanistischen Seminar oder am Zentralen Sprachlabor – von der Aufnahme eines Hochschulstudiums abgehalten werden. Aber auch während des Studiums werden sie mit einer Unzahl an Barrieren konfrontiert. Sei es die schlechte Zugänglichkeit von Vorlesungsunterlagen, die finanzielle Mehrbelastung bei mangelhafter finanzieller Unterstützung, fehlende festgeschriebene Nachteilsausgleiche für Studierende mit Behinderung oder starre Prüfungsordnungen – an zahlreichen Stellen mangelt es an gleichen und fairen Chancen für Studierende mit Behinderung!

Eine zukunftsfähige Universität zeichnet sich nicht nur durch Stärken in Foschung und Lehre aus. Es geht vielmehr darum, in allen Bereichen der Hochschule Verantwortung für eine moderne gesellschaftliche Entwicklung zu übernehmen.
Deshalb fordert die Grüne Hochschulgruppe, dass das Thema Gleichstellung endlich von seinem Schattendasein befreit wird und als essentieller Bestandteil einer zukunftsfähigen Universität wahrgenommen wird.

Mobilität

Zukunft seit 1386 und Semper Apertus, das sind die beiden Wahlsprüche der Universität Heidelberg. Doch in vielen Bereichen hinkt die Universität der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher und wird ihrem Anspruch nicht gerecht. So zum Beispiel beim Thema Mobilität. Zusammen mit allen Beteiligten müssen neue Fortbewegungskonzepte zur Uni, zwischen den einzelnen Teilen der Uni und an der Uni selbst erarbeitet werden. Die Grüne Hochschulgruppe tritt dafür ein diesen Prozess umweltbewusst voranzutreiben.

1. Die Uni, der ÖPNV und die Stadt
In Heidelberg besteht ein gut ausgebautes und getaktetes Netz öffentlicher Verkehrsmittel, das von vielen Studierenden ausgiebig genutzt und gebraucht wird, an diesem dürfen auch zukünftig keine Einsparungen vorgenommen werden. Gerade die „Uni-Linie“ 32 ist ein wichtiger Bestandteil studentischer Wege, da sie alle drei Campus verbindet. Wir begrüßen die geplante Erweiterung des Straßenbahnnetzes um eine Linie durch das Neuenheimer Feld grundsätzlich, bestehen aber darauf, dass vor allem studentische und ökologische Kriterien beim Bau berücksichtigt werden und sich die Wege für Studierende nicht verkomplizieren. Die Grüne Hochschulgruppe begrüßt außerdem die geplante Ampelvorrangschaltung für Busse und Bahnen in Heidelberg gegenüber dem motorisierten Individualverkehr. Wir stehen zum ausgehandelten Vertrag über das Semesterticket und engagieren uns, damit das Ticket nicht unbezahlbar wird. Die Grüne Hochschulgruppe setzt sich für ein verantwortungsvolles öffentliches Verkehrskonzept für die Zukunft ein, das im Konsens mit allen Beteiligten entstehen muss.

2. Mit dem Fahrrad durch die Stadt und zur Uni
Das Fahrrad gilt in Heidelberg als eines der beliebtesten Verkehrsmittel, da es nicht nur umweltschonend ist, sondern auch Unabhängigkeit verspricht. Deswegen setzen wir uns für ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz und mehr Fahrradständer an der Uni ein. Außerdem könnten zum Beispiel weitere Einbahnstraßen für Fahrradfahrer in beide Richtungen freigegeben werden. Um eine sinnvolle Verkehrsführung für radelnde Studierende zu gewährleisten muss zudem der versprochene Campus-Radweg endlich kommen. Natürlich muss dabei auf die denkmalgeschützten Bauten und Straßen Heidelbergs Rücksicht genommen werden.

3. Barrierefreiheit an der Uni
Entgegen ihrem Wahlspruch „Semper Apertus“ ist die Uni nicht immer für alle offen, gerade in der Altstadt kann von Barrierefreiheit keine Rede sein. Studienbewerbern im Rollstuhl muss an einigen Instituten vom Studienbeginn in Heidelberg abgeraten werden, weil notwendige Rampen, Aufzüge, leicht zu öffnende Türen und Ausweichwege nicht vorhanden sind. Wir empfinden dies als unhaltbaren Zustand und fordern bauliche Maßnahmen, wo diese möglich sind. Auch das Zentrale Fachschaftsbüro, das von der Uni zur Verfügung gestellt wurde, erfüllt die Mindestanforderungen nicht.